Vogelintelligenz und Training – Ein faszinierender Einblick beim Kleintierzuchtverein D34
Von der unterschätzten Denkleistung zur praktischen Zusammenarbeit: Robert Kruschke referiert über die kognitiven Fähigkeiten unserer gefiederten Freunde.
Dass Vögel weit mehr sind als reine Instinkttiere, bewies unser Mitglied Robert in seinem jüngsten Fachvortrag zum Thema „Vogelintelligenz und Training“. Mit einer Mischung aus wissenschaftlichen Fakten und praktischen Beispielen aus seinem Alltag mit seinen Tieren, darunter die Goldfasane Zazu und Arkani, fesselte er die Zuhörer und räumte mit dem Vorurteil des „Spatzenhirns“ gründlich auf.
Das Gehirn: Klein, aber oho!
Robert erläuterte eindrucksvoll, warum die Intelligenz von Vögeln lange Zeit unterschätzt wurde. Zwar fehlt Vögeln der für Säugetiere typische Neokortex, doch besitzen sie stattdessen ein hoch entwickeltes „Pallium“. Dieses ist für komplexes Lernen und Denken verantwortlich. Besonders erstaunlich: Die Neuronendichte im Vogelgehirn ist extrem hoch – bei einigen Arten sogar höher als bei Primaten. Dies ermöglicht es Vögeln, Werkzeuge zu benutzen, komplexe Probleme zu lösen und sogar ein Ich-Bewusstsein sowie soziale Intelligenz zu zeigen.
Warum überhaupt trainieren?
Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Sinnhaftigkeit des Trainings. Laut Robert ist jede Interaktion mit dem Tier bereits eine Form von Training. Die Ziele sind dabei vielfältig:
Zahmheit: Ein entspannteres Zusammenleben im Alltag.
Mentale Auslastung: Vermeidung von Verhaltensproblemen wie Federrupfen oder Aggressionen durch gezielte Beschäftigung.
Medical Training: Die Vorbereitung auf medizinische Behandlungen, um Stress für Tier und Mensch zu minimieren.
Die Praxis: Vertrauen als Basis
Wie aber trainiert man einen Vogel? Robert setzt hierbei konsequent auf **positive Verstärkung**. Erwünschtes Verhalten wird belohnt, während Zwang im Training keinen Platz hat. Die Basis bildet das gegenseitige Vertrauen, das durch reine Anwesenheit beginnt und über das Fressen aus der Hand bis hin zum „Target-Training“ oder dem Rückruf führt. Wichtig sei dabei immer, die Motivation des Tieres zu achten: Trainiert wird nur, wenn der Vogel bereit ist.
Die Königsdisziplin: Der Freiflug
Ein Highlight des Vortrags waren die Ausführungen zum Freiflug bzw. Freilauf. Dies bezeichnete Robert als die „Königsdisziplin“, die eine extrem hohe Bindung und einen absolut zuverlässigen Rückruf voraussetzt. Zur Sicherheit kommen hierbei oft moderne Hilfsmittel wie GPS-Tracker zum Einsatz. Die gezeigten Aufnahmen von fliegenden Papageien und trainierten Fasanen verdeutlichten, welche Freiheit und Lebensqualität durch konsequentes Training möglich ist.
Theorie trifft Praxis: Zazu und Arkani zeigen ihr Können
Nach dem PowerPoint-Vortrag folgte der absolute Höhepunkt des Abends: Robert präsentierte seine beiden Goldfasane **Zazu und Arkani** live vor den Vereinsmitgliedern. Was zuvor in der Theorie erläutert wurde, konnten die Anwesenden nun hautnah miterleben.
Die beiden prächtigen Vögel demonstrierten eindrucksvoll, was durch geduldiges und respektvolles Training möglich ist. Zazu und Arkani zeigten sich völlig entspannt in der ungewohnten Umgebung und ließen sich bereitwillig auf Roberts Hand nieder. Besonders beeindruckend war der Rückruf: Auf ein einfaches Handzeichen oder einen Zuruf kamen die Fasane zuverlässig zu ihrem Halter zurück – ein Verhalten, das man bei Ziervögeln dieser Art selten erlebt.
Robert führte zudem verschiedene Trainingsübungen vor, darunter das **Target-Training**, bei dem die Vögel einem Zielstab folgten, sowie das Fressen aus der Hand. Die Zuschauer konnten dabei beobachten, wie konzentriert und motiviert die Tiere bei der Sache waren – ein lebendiger Beweis für die im Vortrag beschriebene Intelligenz und Lernfähigkeit von Vögeln.
Besonders deutlich wurde in dieser praktischen Demonstration auch die enge Bindung zwischen Mensch und Tier. Die Goldfasane wirkten zu keinem Zeitpunkt gestresst oder ängstlich, sondern zeigten sich neugierig und kooperativ. Mehrere Vereinsmitglieder nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, und Robert erläuterte geduldig die einzelnen Trainingsschritte und gab wertvolle Tipps für die eigene Zucht und Haltung.
Der Vortrag endete mit einer angeregten Diskussionsrunde und viel Applaus für Referent und gefiederte Assistenten. Sein Fazit: Training ist kein Selbstzweck, sondern eine Bereicherung für das Leben von Mensch und Tier gleichermaßen – und Zazu und Arkani waren die besten Botschafter dieser Philosophie.